Ein Wohnmobil in Island fahren: was anders ist
Gefahren wird rechts, wie in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wer aus Großbritannien, Irland, Australien oder Japan anreist, braucht an Kreuzungen und Kreisverkehren etwas Eingewöhnung. Die gute Nachricht zum Führerschein: Alle Mietwohnmobile in Island sind auf einem Fahrgestell mit maximal 3.500 kg aufgebaut. Der normale Führerschein der Klasse B reicht also für die gesamte Flotte, eine Erweiterung auf C1 ist nicht nötig.
Ungewohnt sind eher die Straßen selbst. Sie sind meist nur rund 6,5 m breit und haben keinen Seitenstreifen, deshalb wirkt ein 7 m langes Alkovenmobil hier größer als zu Hause. Nutzen Sie die erste Stunde nach der Abholung zum Eingewöhnen: Spiegel einstellen, behutsam bremsen und mit etwa 70 km/h fahren, bis sich das Fahrzeug berechenbar anfühlt. Fast alle Mietwohnmobile stehen auf einem Fiat Ducato, einem Mercedes Sprinter (Premiumklasse) oder einem Ford Transit. Sie fahren sich ähnlich, den kleinsten Wendekreis hat der Sprinter.
- Tempolimits bis 3,5 t: 30 km/h in Wohngebieten, 50 km/h innerorts, 80 km/h auf Schotter und 90 km/h auf asphaltierten Landstraßen. Fahrzeuge über 3,5 t dürfen überall höchstens 80 km/h fahren. Blitzer sind weit verbreitet, Bußgelder beginnen bei etwa 10.000 ISK (~70 €).
- Licht: Abblendlicht ist rund um die Uhr und das ganze Jahr Pflicht. Viele Alkovenmobile haben automatisches Tagfahrlicht, prüfen Sie das bei der Übergabe.
- Gurte und Kindersitze: Jeder Mitfahrer muss angeschnallt sein, auch auf der Sitzgruppe im Wohnbereich, sofern sie als Fahrplatz zugelassen ist. Kinder unter 135 cm brauchen eine Sitzerhöhung, unter 100 cm einen Kindersitz.
- Alkohol: Die Grenze liegt bei 0,05 %. Schon ein halbes Bier zum Mittagessen kann zu viel sein. Stoßen Sie lieber abends auf dem Campingplatz an, wenn das Wohnmobil steht.
- Handy: Nur mit Freisprecheinrichtung. Die Mietfahrzeuge haben Bluetooth, koppeln Sie Ihr Telefon am besten schon auf dem Hof des Vermieters.
- Winterreifen: Bei Schnee und Eis gesetzlich vorgeschrieben; Spikereifen sind vom 1. November bis 14. April erlaubt. Die Vermieter montieren sie in diesem Zeitraum automatisch.
Einspurige Brücken, Kuppen und Schafe
Auf der Ringstraße gibt es über 30 einspurige Brücken (Einbreið brú), vor allem an der Südküste zwischen Skógar und Höfn und in den Ostfjorden. Wer zuerst an der Brücke ist, hat Vorfahrt. Ein Wohnmobil braucht aber einen längeren Bremsweg als ein Pkw, warten Sie im Zweifel lieber früh und geben Sie dem Gegenverkehr ein kurzes Lichtzeichen. Ebenso häufig sind unübersichtliche Kuppen (Blindhæð): Bremsen Sie am gelben Warnschild auf 60 km/h ab, bleiben Sie mittig in Ihrer Spur und rechnen Sie mit Tieren oder Fußgängern dahinter. Von Juni bis September laufen Schafe frei herum und stehen oft ohne Vorwarnung auf der Fahrbahn.
Warum F-Straßen für Wohnmobile tabu sind
Die F-Straßen (fjallvegir) führen durch das Hochland nach Landmannalaugar, Askja, Kjölur, Sprengisandur und Þórsmörk. Sie sind unbefestigt, haben Furten ohne Brücken und sind gesetzlich nur für Allradfahrzeuge mit hoher Bodenfreiheit zugelassen. Die Alkoven-, Familien- und Premium-Wohnmobile der isländischen Mietflotten haben Zweiradantrieb. Wer damit auf eine F-Straße fährt, verstößt gegen das Verkehrsrecht und verliert den kompletten Versicherungsschutz. Die großen Vermieter haben GPS-Tracker in ihren Fahrzeugen und gleichen die Strecke bei der Rückgabe mit den F-Straßen ab. Die aktuellen Öffnungszeiten der Hochlandpisten stehen auf road.is.
Stehen Landmannalaugar oder Þórsmörk trotzdem auf Ihrer Liste, gibt es eine bequeme Lösung: Das Wohnmobil bleibt auf einem Campingplatz an der Ringstraße (Hella für Þórsmörk, die Gegend um Hrauneyjar für Landmannalaugar), und Sie steigen für einen Tag in einen Superjeep mit Guide. Wer das Hochland selbst fahren möchte, wählt statt eines Wohnmobils einen 4x4-Camper.
Wichtig: Das GPS des Mietfahrzeugs zeichnet jeden Kilometer auf. Zeigt es auch nur 2 km auf der F208, haften Sie für jeden Schaden dieser Fahrt, und die Vermieter berechnen die Gebühr für den verlorenen Versicherungsschutz direkt bei der Rückgabe. Bleiben Sie auf asphaltierten Straßen.
Wind: das größte Risiko mit dem Wohnmobil
Womit viele beim ersten Mal nicht rechnen, ist der Wind. Ein Alkovenmobil bietet ihm rund 15 m² Seitenfläche. Bei Böen von 25 m/s (90 km/h) wirkt darauf eine enorme seitliche Kraft, und jeden Sommer werden auf der Halbinsel Reykjanes Aufbautüren abgerissen, weil sie mit dem Wind geöffnet wurden. Drei feste Regeln helfen:
- Jeden Morgen vedur.is prüfen: Sind entlang Ihrer Tagesetappe mehr als 20 m/s Dauerwind angesagt, ändern Sie den Plan. Der windigste Abschnitt ist die Südküste zwischen Vík und Höfn.
- Türen nie unkontrolliert öffnen: Parken Sie so, dass der Wind die Aufbautür nicht erfassen kann, und halten Sie den Griff immer mit beiden Händen fest. Eine abgerissene Tür kostet 2.000–3.500 € und ist von der Basis-Vollkaskoversicherung (CDW) ausdrücklich ausgenommen.
- Ab 25 m/s anhalten: Fahren Sie den nächsten Campingplatz an, stellen Sie das Heck in den Wind und fahren Sie Markise und ausklappbare Solarmodule ein. Dass ein Wohnmobil bei Sturm umkippt, ist selten, kommt aber vor.
Diesel, Verbrauch und Tankstellen
Ein Alkovenmobil verbraucht in Island durchschnittlich 12–16 l Diesel auf 100 km. Für die komplette Ringstraße (rund 1.322 km) sollten Sie etwa 300–430 € für Kraftstoff einplanen. Knapp werden kann es auf diesen Abschnitten:
- Südküste, Vík bis Höfn (270 km): Eine verlässliche N1-Station in Kirkjubæjarklaustur, danach erst wieder Höfn. Tanken Sie in Vík voll.
- Ostfjorde, Höfn bis Egilsstaðir (250 km): Wenige Stationen, dazwischen nur Djúpivogur und Breiðdalsvík. Füllen Sie in Höfn auf.
- Norden, Mývatn bis Akureyri (100 km): Viele N1-Tankstellen, der einfachste Abschnitt.
- Westfjorde: Zwischen den Küstenorten liegen oft 100–150 km. Tanken Sie spätestens bei halbem Tank.
Auf dem Land sind fast alle Zapfsäulen unbemannt und funktionieren nur mit Karte und PIN. Visa und Mastercard klappen zuverlässig, American Express bei N1 nicht immer, nehmen Sie deshalb eine Zweitkarte mit. Die größten Ketten sind N1, Orkan und Olis. Ladesäulen für Elektroautos (Übersicht bei on.is) spielen für Mietwohnmobile kaum eine Rolle, denn sie fahren mit Diesel.
Spartipp: Laden Sie die N1-App herunter und verknüpfen Sie sie noch in Reykjavík mit Ihrer Karte. Sie sparen 0,03–0,05 € pro Liter, auf einer zweiwöchigen Ringstraßen-Tour sind das 30–40 €.
Parken und Maut mit einem großen Fahrzeug
Auf der Ringstraße gibt es keine Maut. Gebührenpflichtig ist nur der Vaðlaheiðargöng-Tunnel bei Akureyri (rund 1.500 ISK, ~10 €), den Sie innerhalb von 24 Stunden auf tunnel.is bezahlen. An großen Sehenswürdigkeiten wie Gullfoss, Seljalandsfoss, Skógafoss und Reynisfjara kostet das Parken etwa 5–7 €, dafür gibt es dort meist asphaltierte Stellflächen in Wohnmobilgröße.
In der Innenstadt von Reykjavík sind die Parkplätze eng und in die Zonen P1 (rot, am teuersten) bis P4 (blau, am günstigsten) eingeteilt. Praktischer ist es, das Wohnmobil auf dem ganzjährig geöffneten Campingplatz Laugardalur am östlichen Stadtrand abzustellen und ins Zentrum zu laufen (etwa 25 Minuten) oder den Bus zu nehmen (etwa 15 Minuten). Fahren und Parken abseits befestigter Flächen ist streng verboten.